🎪 DIE KUNST, NICHT MEHR MITZUSPIELEN

Nicht mein Zirkus – und ich muss auch nicht auf die Bühne

Kennst du das?

Jemand ist aufgebracht. Jemand stichelt. Jemand hat ein Problem, einen Konflikt, schlechte Laune oder gerade ein kleines persönliches Drama.

Und ehe du dich versiehst, stehst DU mitten in der Manege.

Du erklärst.
>Du rechtfertigst dich.
>Du versuchst zu vermitteln.
>Du möchtest helfen.
>Du möchtest verstanden werden.
Oder du versuchst, etwas zu lösen, das eigentlich gar nicht deins ist.

Willkommen im Zirkus. 🎪

Die entscheidende Frage ist nur:

Wer hat eigentlich gesagt, dass du auftreten musst?

Du darfst mitfühlen, ohne mitzuspielen

Gerade Menschen, die sehr fein wahrnehmen, spüren schnell, wenn es jemandem nicht gut geht.

Wir bemerken Spannungen. Wir hören den Unterton. Wir sehen, dass hinter einem Angriff vielleicht Verletzung steckt. Und manchmal verstehen wir sogar ziemlich genau, weshalb ein Mensch sich gerade so verhält.

Und genau hier liegt ein entscheidender Unterschied:

Verstehen bedeutet nicht übernehmen.

Du darfst einen Menschen verstehen und trotzdem eine Grenze setzen.

Du darfst mitfühlen und trotzdem Nein sagen.

Du darfst sehen, dass jemand leidet, ohne sein Leid zu deinem zu machen.

Und du darfst helfen, ohne die Verantwortung für das Leben eines anderen Menschen zu übernehmen.

Das ist keine Kälte.

Das ist Abgrenzung.

Nicht jede Einladung ist eine Einladung, die du annehmen musst

Manchmal werden wir nicht freundlich in einen fremden Zirkus eingeladen.

Manchmal werden wir hineingezogen.

Durch einen Vorwurf.
Eine Spitze.
Eine Schuldzuweisung.
Eine Provokation.
Oder durch diesen einen Satz, von dem der andere ziemlich genau weiss, welchen Knopf er damit bei uns drückt.

Und schon läuft das alte Programm:

Das kann ich so nicht stehen lassen.

Doch.

Manchmal kannst du genau das.

Denn du musst nicht jede falsche Aussage über dich korrigieren. Du musst nicht jeden Menschen davon überzeugen, wer du bist. Und du musst nicht jeden Konflikt zu Ende diskutieren.

Es gibt Gespräche, die zu Verständnis führen.

Und es gibt Gespräche, die nur deshalb weitergehen, weil einer von beiden immer wieder in die Manege zurückkehrt.

Du darfst aufhören mitzuspielen.

Der vielleicht schwierigste Teil: die Reaktion des anderen aushalten

Eine Grenze zu setzen ist manchmal gar nicht das Schwierigste.

Schwieriger kann sein, auszuhalten, was danach passiert.

Dass jemand enttäuscht ist.

Dass jemand dich plötzlich egoistisch findet.

Dass jemand noch einmal stichelt.

Oder dass du nicht mehr diejenige bist, die alles auffängt, richtet, erklärt und wieder gut macht.

Wenn Menschen daran gewöhnt sind, dass du eine bestimmte Rolle übernimmst, kann es irritieren, wenn du plötzlich aus dieser Rolle aussteigst.

Und die Irritation eines anderen Menschen bedeutet nicht automatisch, dass deine Grenze falsch ist.

Vielleicht bedeutet sie einfach:

Die alte Dynamik funktioniert nicht mehr.

Nicht mein Zirkus bedeutet nicht: Mir ist alles egal

Das ist mir besonders wichtig.

„Nicht mein Zirkus“ bedeutet nicht, gleichgültig durchs Leben zu gehen.

Es bedeutet auch nicht:

Dann soll doch jeder schauen, wo er bleibt.

Für mich bedeutet es vielmehr:

Ich erkenne, was zu mir gehört – und was nicht.

Ich übernehme Verantwortung für meine Worte, meine Entscheidungen, mein Verhalten und meine Gefühle.

Und ich lasse die Verantwortung für deine Worte, deine Entscheidungen, dein Verhalten und deine Gefühle bei dir.

Ich kann für dich da sein.

Ich kann zuhören.

Ich kann dich lieben.

Ich kann dir meine Hand reichen.

Und ich muss dafür nicht mit dir in die Manege steigen.

Vielleicht ist genau das der Unterschied:

Ich kann bei dir sein und gleichzeitig bei mir bleiben.

Du darfst deinen Zirkus haben.

Und ich darf vor der Manege stehen bleiben.

Und manchmal bist du selbst der Zirkus 😉

Ja. Auch das gehört zur Ehrlichkeit.

Es ist einfach, immer nur den Zirkus der anderen zu erkennen.

Doch manchmal sind wir selbst diejenigen, die Drama machen, Recht haben wollen, Bestätigung suchen oder jemanden unbedingt dazu bringen möchten, uns zu verstehen.

Auch dann hilft der Satz.

Nicht mein Zirkus bedeutet nämlich nicht nur Abgrenzung nach aussen.

Es bedeutet auch, innezuhalten und sich zu fragen:

Bin ich gerade wirklich bei mir?

Oder versuche ich, jemanden in meine eigene Manege hineinzuziehen?

Das ist für mich echte Selbstverantwortung.

Nicht perfekt zu sein.

Sondern ehrlich genug, es zu erkennen.

Du musst nicht auf jede Bühne

Vielleicht ist genau das eine der grössten Freiheiten, die wir lernen können:

Nicht mehr überall mitzumachen.

Nicht jede Stimmung aufzufangen.

Nicht jeden Menschen retten zu wollen.

Nicht jeden Angriff zurückzugeben.

Nicht alles erklären zu müssen.

Und nicht jede Verantwortung anzunehmen, die uns jemand vor die Füsse stellt.

Manche Menschen lieben Drama.

Manche suchen Schuldige.

Manche brauchen Applaus.

Und manche leben so lange im Chaos, dass es sich für sie wie Normalität anfühlt.

Das darf sein.

Und es muss nicht deine Normalität werden.

Zwei Wahrheiten dürfen gleichzeitig wahr sein

Vielleicht beginnt echte Abgrenzung genau dort, wo wir kein Entweder-oder mehr brauchen.

Du darfst enttäuscht sein – und ich darf Nein sagen.

Du darfst mich anders sehen – und ich muss mich nicht erklären.

Ich darf dich lieben – und trotzdem nicht mitspielen.

Du darfst deinen Zirkus haben – und ich darf vor der Manege stehen bleiben.

Du darfst vor der Manege stehen und entscheiden:

Nicht mein Zirkus.
Ich muss nicht auf die Bühne.
Ich wähle meine Ruhe.

Und manchmal ist genau dieses Nicht-Einsteigen die kraftvollste Antwort überhaupt.

Und du?

In welcher Manege stehst du vielleicht noch, obwohl die Vorstellung längst nicht mehr deine ist?

Vielleicht musst du heute nichts klären, nichts retten und niemanden überzeugen.

Vielleicht darfst du einfach aussteigen.

Nicht mein Zirkus.
Nicht meine Bühne.
Ich wähle meine Ruhe.

Denise Galasso
Psychologische Beratung & Coaching
denisegalasso.ch 🩵

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